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CO₂-Emissionen in Bebauungsplänen und kommunalen Bauprojekten – Modellierung für Umweltgutachten der Stadt Weinheim

6. August 2025

Klimafolgenbewertung als Entscheidungsgrundlage für die Gewerbegebietsentwicklung in Weinheim

Kommunen stehen zunehmend vor der Aufgabe, Klimaschutzaspekte in Bebauungsplanverfahren konsequent zu berücksichtigen. § 2 Abs. 4 BauGB und die Anforderungen an ein Umweltgutachten verlangen eine fundierte Klimawirkungsanalyse, um die Umweltauswirkungen geplanter Vorhaben zu bewerten. RITTWEGER und TEAM hat die Stadt Weinheim bei der Modellierung der zu erwartenden Treibhausgasemissionen des geplanten Gewerbegebiets „Hintere Mult“ unterstützt. Das Ergebnis versetzt die Stadt in die Lage, die städtebauliche Entwicklung mit den Zielen des kommunalen Klimaschutzes abzustimmen und den Bürgerdialog auf einer transparenten Datengrundlage zu führen.

CO₂-Emissions-Modellierung für kommunale Bebauungsplanung

Statt wie üblich vergangenheitsbezogene Klimabilanzen zu erstellen, wurde in diesem Projekt ein zukunftsorientiertes Verfahren angewandt: die Modellierung der zu erwartenden Treibhausgasemissionen eines noch nicht realisierten Gewerbegebiets. Da konkrete Nutzungsszenarien fehlten, galt es, auf Basis fundierter Annahmen ein Prognosemodell zu entwickeln, das Bau-, Betriebs- und Verkehrsemissionen realistisch abbildet.

Grundlage war der in der kommunalen Klimabilanzierung etablierte BISKO-Standard mit territorialem Bilanzierungsansatz. Die berechneten Werte wurden einem Basisszenario der aktuellen landwirtschaftlichen Nutzung gegenübergestellt. So ließ sich die klimarelevante Veränderung der Flächennutzung klar beziffern und als belastbare Entscheidungsgrundlage in die Bauleitplanung integrieren.

 

Unsere Leistungen im Projekt

  • Entwicklung eines robusten Prognosemodells zur Abschätzung künftiger Treibhausgasemissionen des geplanten Gewerbegebiets
  • Recherche zahlreicher belastbarer Emissionsfaktoren und Berechnungsgrundlagen (z. B. für Baumaterialien, Gebäudetypen, Verkehr)
  • Ermittlung und Bewertung von Bau-, Betriebs- und Verkehrsemissionen auf Basis realistischer Annahmen
  • Ableitung einer quantifizierbaren Klimawirkung im Vergleich zum Basisszenario
  • CO2-Bilanzierung (CO2e) für Unternehmen, Kommunen, Produkte und Gebäude
  • Nachhaltige Stadtentwicklung

BISKO Standard – Bilanzierungssystematik Kommunal

BISKO ist ein bundesweit etablierter Standard zur systematischen, konsistenten und vergleichbaren Erfassung kommunaler Treibhausgas¬emissionen. Er wurde im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative entwickelt und wird vom Umweltbundesamt unterstützt.
Kommunen können mit BISKO verbindlich eine territoriale Klimabilanz erstellen – eine Übersicht über alle THG Emissionen, die innerhalb des Stadt- oder Gemeindegebiets entstehen, u.a. als Nachweis für ihre Pläne Klimaneutralität zu erreichen.

Der Standard umfasst:

  • Klare Bilanzstruktur: Sektorale Aufteilung (z. B. Haushalte, Gewerbe, Verkehr), Energieträger und Nutzung des Endenergieprinzips
  • Datengüte: Jede Quelle wird nach Zuverlässigkeit klassifiziert (Klassen A–D), was Transparenz bei der Bewertung schafft
  • Aktuelle Emissionsfaktoren: Regelmäßige Aktualisierung für stationäre Bereiche und den Verkehrssektor durch Expert*innen und Behörden

Mit BISKO erhalten kommunale Klimamanager und Fachverwaltungen eine verlässliche, standardisierte Grundlage für Klimabilanzen und strategisches Klimaschutzmanagement.

Häufige Fragen zur CO2-Emissionen (FAQ)

Was bedeutet CO₂-Bilanzierung im B-Plan Verfahren?

Die CO₂-Bilanzierung ist Teil des Umweltgutachtens im Rahmen eines Bebauungsplans. Sie berechnet die erwarteten Treibhausgasemissionen eines Vorhabens und zeigt, wie sich Bau- und Betriebsphase auf die Klimabilanz auswirken. Damit haben Kommunen eine transparente Entscheidungsgrundlage für die Bauleitplanung.

Welche Anforderungen stellt das BauGB § 2 Abs. 4 an die CO₂-Bilanzierung?

Nach BauGB § 2 Abs. 4 muss ein Umweltgutachten die wesentlichen Umweltauswirkungen beschreiben und bewerten. Dazu gehören:
  • eine Bestandsaufnahme des aktuellen Umweltzustands (Basisszenario),
  • die Prognose der Entwicklung ohne Umsetzung des Vorhabens,
  • die Prognose der Entwicklung mit Umsetzung, einschließlich Bau- und Betriebsphase,
  • sowie die Darstellung der Klimafolgen, insbesondere Art und Menge der CO₂-Emissionen und die Anfälligkeit des Projekts gegenüber Klimawandelfolgen.

Wie läuft die CO₂-Bilanzierung für einen Bebauungsplan (B-Plan) ab?

Zuerst wird der Ausgangszustand erfasst. Danach wird simuliert, wie sich Emissionen in Bauphase und Betrieb entwickeln. Das ermöglicht den Vergleich zwischen Basisszenario (ohne Planung) und realisiertem Szenario (mit Planung) und schafft eine belastbare Grundlage für Entscheidungen im B-Plan-Verfahren.

Warum ist die CO₂-Bilanzierung für Diskotheken und Sondernutzungen relevant?

Nutzungen wie Diskotheken oder Veranstaltungshallen haben durch hohen Energieverbrauch einen überdurchschnittlichen Klimaeinfluss. Eine CO₂-Bilanzierung macht sichtbar, welche zusätzlichen Emissionen im Bebauungsplan berücksichtigt werden müssen. So können Kommunen frühzeitig prüfen, welche Auflagen oder Ausgleichsmaßnahmen notwendig sind.

Welche Prognosen muss ein Umweltgutachten für die CO₂-Bilanzierung enthalten?

Gefordert ist eine Darstellung, wie sich der Umweltzustand bei Umsetzung des Projekts verändert – einschließlich Bauphase, Energiebedarf im Betrieb und Folgewirkungen auf das Klima. Dadurch wird transparent, welche CO₂-Emissionen entstehen und wie sich diese mindern lassen.
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