Was ist Green Washing? Greenwashing verstehen und Green Claims richtig einordnen
Im Nachhaltigkeit Marketing ist „grün“ schnell erzählt – und genauso schnell missverstanden. Viele Unternehmen wollen ehrliche Fortschritte sichtbar machen, landen aber trotzdem im Verdacht des Greenwashing. Das liegt selten an böser Absicht. Es liegt daran, dass Green Claims (Umweltaussagen) anders funktionieren als klassische Produktversprechen: Sie brauchen klare Abgrenzung, verständliche Sprache und eine Begründung, die auch außerhalb des eigenen Fachkontexts Sinn ergibt.
Was ist Greenwashing?
Die Suchanfrage „was ist green washing“ meint Greenwashing.
Greenwashing ist Kommunikation, die nachhaltiger klingt oder wirkt, als sie inhaltlich belegbar ist – oder die so formuliert ist, dass sie beim Publikum breiter ankommt als das, was tatsächlich gemeint ist.
Ein wichtiger Unterschied: Greenwashing kann auch dann entstehen, wenn eine Aussage „irgendwie stimmt“. Entscheidend ist, wie sie verstanden wird. Kommunikation scheitert oft an Wahrnehmung – nicht an der Absicht.
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Warum Greenwashing so häufig unabsichtlich passiert
Greenwashing ist oft das Ergebnis von drei typischen Kommunikationsfehlern:
- Unklarer Scope: Produkt, Verpackung oder Unternehmen?
Viele Aussagen klingen wie ein Gesamturteil, betreffen aber nur einen Teil. Beispiel: Eine Verpackungsverbesserung wird so erzählt, dass das ganze Produkt „nachhaltig“ wirkt. - Das Wort ist zu groß für die Datenlage
„Nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“ sind sehr große Begriffe. Wenn die Datenbasis aber nur einen kleinen Teil abdeckt (z. B. Material, Strommix, Transport), entsteht ein Missverhältnis. - Der Beleg existiert – aber niemand findet ihn
Ein PDF irgendwo im Footer oder eine allgemeine Nachhaltigkeitsseite ist aus Verbrauchersicht selten ein „Nachweis“. Wenn der Beleg nicht schnell und verständlich zugänglich ist, wirkt der Claim wie Behauptung.
Green Claims: Was im Marketing wirklich als Umweltaussage zählt
Viele denken bei green claims an Sätze wie „CO₂-reduziert“ oder „recycelt“. In der Praxis zählen aber auch:
- Icons (Blatt, Tropfen, Erde, „Eco“-Badges)
- Siegel-Optik oder „Trust Marks“
- Bildwelten (Natur, Wald, Wasser) als implizite Botschaft
- Farben, die „Öko“ signalisieren
- Vergleiche („30% weniger“) ohne klare Referenz
Kurz: Wenn Gestaltung oder Text einen Umweltvorteil vermittelt, ist es ein Green Claim – auch ohne das Wort „nachhaltig“.

Hält oft der Prüfung nicht stand: Klimaneutral.
Typische Greenwashing-Fallen im Nachhaltigkeit Marketing
Hier sind die häufigsten Muster, an denen Kommunikation scheitert – mit der jeweiligen Ursache:
- „Recycelbar“ wird als „wird recycelt“ verstanden
Problem: „Recycelbar“ beschreibt eine theoretische Eigenschaft – nicht die tatsächliche Recyclingquote. Besser: präzisieren, worauf sich die Aussage bezieht (Material, System, Region, Anteil). - Verpackung wird zum Produktversprechen
Problem: „umweltfreundlich“ klingt nach Gesamtwirkung, meint aber nur die Verpackung. Besser: klar sagen „Verpackung“ und nicht „Produkt“. - „Klimaneutral“ als Kurzformel ohne Erklärung
Problem: Viele Menschen interpretieren „klimaneutral“ als „hat kein Klima-Problem“. Besser: wenn Klimaclaims, dann mit Systemgrenzen, Zeitraum und verständlicher Logik – und ohne Abkürzungen, die mehr versprechen als erklärt wird. - Siegel-Anmutung ohne belastbaren Kontext
Problem: Ein selbst gestaltetes Label wirkt wie eine externe Prüfung. Besser: nur Labels nutzen, die klar einzuordnen sind – und die Kriterien transparent machen. - Ein Vorteil ersetzt die Gesamtbetrachtung
Problem: Ein positiver Aspekt wird zum „Freifahrtschein“. Besser: Aussage eng führen: „in Bezug auf X“, nicht „insgesamt“.
Was ist mit der Green Claims Directive?
Viele recherchieren aktuell nach green claims directive / Green Claims Directive. Der Begriff bleibt relevant, weil er in Medien, Fachartikeln und in vielen Nachhaltigkeitsdebatten präsent ist.
Für die praktische Kommunikation im Unternehmen ist aber weniger entscheidend, wie ein einzelnes Verfahren politisch weiterläuft, sondern ob Claims nach einem robusten Prinzip funktionieren:
- klarer Scope
- konkrete Aussage statt Wolke
- verständliche Begründung
- keine „Siegel-Optik“ ohne System
- keine Abkürzungen, die Verbraucher:innen anders verstehen als intern gemeint
Wer diese Basics einhält, baut Kommunikation, die auch bei strengeren Regeln nicht sofort umgebaut werden muss.
Der Wahrnehmungstest: Wie Verbraucher:innen Green Claims interpretieren
Eine sehr einfache, aber extrem wirksame Prüfung ist die Frage:
„Was denkt eine Person, die nur 3 Sekunden hinschaut?“
Wenn das, was man in 3 Sekunden versteht, nicht mit dem übereinstimmt, was ihr belegen könnt, habt ihr ein Greenwashing-Risiko – selbst wenn der Claim intern „eigentlich richtig gemeint“ war.
Drei typische 3-Sekunden-Missverständnisse:
- Aus „Verpackung“ wird „Produkt“.
- Aus „recycelbar“ wird „recycelt“.
- Aus „Kompensation“ wird „kein Problem“.
Beispiele: So wird aus einer großen Behauptung ein belastbarer Claim
Beispiel 1: Verpackung / Rezyklat
Riskant: „Umweltbewusst verpackt“
Belastbarer: „Verpackung enthält 30% Post-Consumer-Rezyklat (bezogen auf den Flaschenkörper).“
Beispiel 2: Energie
Riskant: „Nachhaltig produziert“
Belastbarer: „Am Standort X stammt der Strom in 2025 zu 100% aus erneuerbaren Quellen.“
Beispiel 3: Vergleich
Riskant: „30% weniger CO₂“
Belastbarer: „30% weniger CO₂ gegenüber dem Vorgängermodell (Basisjahr 2022, gleiche Nutzung, gleiche Systemgrenzen).“
Beispiel 4: Siegel
Riskant: Eigenes „Eco“-Badge ohne Kontext
Belastbarer: „Label basiert auf definierten Kriterien und externen Prüfzyklen; Kriterien sind öffentlich einsehbar.“

12 Fragen, die jedes Marketingteam vor einem Green Claim stellen sollte
- Was ist die Aussage in einem Satz – ohne Füllwörter?
- Was genau ist der Umweltvorteil?
- Worauf bezieht er sich (Produkt/Verpackung/Unternehmen)?
- Für welchen Zeitraum gilt er?
- Welche Systemgrenzen gelten (was ist drin, was nicht)?
- Welche Daten belegen ihn?
- Ist es ein Vergleich? Wenn ja: wogegen genau?
- Welche Begriffe könnten missverstanden werden?
- Welche Bildwelt/Icons verstärken die Aussage – und übertreiben sie?
- Wo findet man den Nachweis in unter 10 Sekunden?
- Wer ist intern Owner des Claims?
- Wann wird der Claim erneut geprüft/aktualisiert?
Wenn ihr bei mehreren Fragen keine klare Antwort habt, ist das kein „Scheitern“ – es ist ein Hinweis, dass der Claim noch nicht kampagnenreif ist.
Greenwashing vermeiden heißt nicht: weniger kommunizieren
Viele Unternehmen reagieren auf Unsicherheit mit „wir sagen lieber gar nichts“. Das ist verständlich, aber oft wirtschaftlich unklug. Der bessere Weg ist: Aussagen so zu bauen, dass sie konkret, verständlich und überprüfbarsind.
Genau dabei unterstützen wir – als Schnittstelle zwischen Kommunikation, Design und Nachhaltigkeit:
FAQ: Greenwashing, Green Claims und Nachhaltigkeit Marketing
Was ist Greenwashing – und was ist Green Washing?
Warum passiert Greenwashing oft ohne Absicht?
Was sind Green Claims – in der Praxis?
Was ist der Unterschied zwischen Nachhaltigkeit Marketing und Greenwashing?
Welche Claims sind besonders riskant?
Reicht ein QR-Code als Nachweis?
Kann Design allein Greenwashing auslösen?
Wie kann ein Team Green Claims schneller freigeben, ohne jedes Mal Grundsatzdiskussionen zu führen?
Welche Rolle spielt die Green Claims Directive?
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
