Was ist Catena-X? Datenökosystem einfach erklärt
Catena-X ist ein offenes Datenökosystem für die Automobilindustrie. Gemeinsame Standards ermöglichen Herstellern, Zulieferern und weiteren Partnern, beispielsweise CO₂-, Qualitäts- und Produktdaten kontrolliert auszutauschen. Unternehmen legen fest, welche Daten sie mit wem und unter welchen Bedingungen teilen.
Viele kleine und mittlere Unternehmen begegnen Catena-X nicht aus eigenem Antrieb. Häufig kommt der erste Kontakt über einen Kunden, einen Automobilhersteller oder einen größeren Zulieferer: Das Unternehmen soll sich registrieren, „Catena-X-ready“ werden oder künftig bestimmte Daten über Catena-X bereitstellen.
Damit beginnen meist die Fragen: Ist Catena-X eine neue Software? Müssen wir unsere Unternehmensdaten offenlegen? Benötigen wir dafür eine eigene IT-Infrastruktur? Und was erwartet der Kunde tatsächlich?
Ihr Vorteil: RITTWEGER + TEAM ist Mitglied im Catena-X Automotive Network e. V.
Was ist Catena-X?
Catena-X ist ein standardisiertes Datenökosystem für die Automobilindustrie. Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sollen darüber Daten sicher, einheitlich und unter selbst festgelegten Bedingungen austauschen können.
Catena-X ist weder eine zentrale Datenbank noch ein einzelnes Softwareprodukt. Die beteiligten Unternehmen können weiterhin unterschiedliche interne Systeme einsetzen. Für den Austausch werden jedoch gemeinsame Standards genutzt, damit Informationen von den jeweils beteiligten Systemen verstanden und weiterverarbeitet werden können.
Catena-X verbindet dafür unter anderem:
- standardisierte Datenmodelle,
- eindeutig identifizierbare Unternehmen, Standorte und Produkte,
- einheitliche Schnittstellen,
- geprüfte Anwendungen und Dienste sowie
- Regeln für den Zugriff auf Daten und ihre zulässige Nutzung.
Der Datenaustausch ist grundsätzlich dezentral. Daten werden also nicht automatisch in einer großen gemeinsamen Catena-X-Datenbank gesammelt. Der jeweilige Dateninhaber legt fest, welche Daten er mit welchem Geschäftspartner zu welchem Zweck teilt.
Catena-X in einem Satz
Catena-X schafft eine gemeinsame Sprache und verlässliche Spielregeln für den digitalen Datenaustausch in der automobilen Lieferkette.
Nicht jedes Unternehmen benötigt dieselbe Software oder dieselbe technische Infrastruktur. Entscheidend ist, dass die ausgetauschten Daten den vereinbarten Standards entsprechen.
Wichtig für KMU: Der Einstieg sollte immer bei der konkreten Kundenanforderung beginnen – nicht bei der Auswahl einer Software.
Sie haben eine Catena-X-Anforderung von einem Kunden erhalten? Wir klären, welcher Use Case gemeint ist, welche Daten benötigt werden und welcher Onboarding-Weg für Ihr Unternehmen sinnvoll ist.
Warum betrifft Catena-X gerade KMU?
Catena-X richtet sich nicht nur an große Automobilhersteller. Das Datenökosystem soll die gesamte automobile Wertschöpfungskette einbeziehen – vom Rohstoff- und Materiallieferanten über mittelständische Komponentenhersteller bis zum Fahrzeughersteller.
Für viele KMU wird Catena-X relevant, weil größere Kunden bestimmte Informationen zunehmend strukturiert und digital anfordern. Dazu können Nachhaltigkeitsdaten, Produktinformationen, Qualitätsmeldungen, Lieferinformationen oder Unternehmenszertifikate gehören. Catena-X kann damit Bestandteil von Lieferantenanforderungen, Ausschreibungen oder neuen Formen der digitalen Zusammenarbeit werden.
Die Anforderung zuerst präzisieren
Eine Aufforderung zur „Teilnahme an Catena-X“ ist noch keine ausreichend konkrete Aufgabenbeschreibung. Vor der Auswahl einer Anwendung oder eines technischen Anbieters sollte das Unternehmen mit dem anfordernden Geschäftspartner klären:
- Für welchen konkreten Anwendungsfall wird Catena-X verlangt?
- Welche Daten sollen bereitgestellt oder empfangen werden?
- Mit welchem Kunden oder Lieferanten sollen die Daten ausgetauscht werden?
- Welche Frist gilt für Registrierung, Test und produktiven Betrieb?
- Ist eine bestimmte Catena-X-Anwendung oder ein Anbieter vorgegeben?
- Welche Gesellschaften, Standorte, Produkte oder Lieferbeziehungen sind betroffen?
Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich der tatsächliche Aufwand seriös einschätzen.
Welche Daten können über Catena-X ausgetauscht werden?
Catena-X umfasst unterschiedliche sogenannte Use Cases, also konkrete Anwendungsfälle. Ein Unternehmen muss nicht automatisch alle davon umsetzen. Für KMU ist ein klar abgegrenzter Einstieg meist sinnvoller als ein umfassendes Gesamtprojekt.
Zertifikatsmanagement
Unternehmens- und Standortzertifikate können strukturiert bereitgestellt und aktualisiert werden. Dadurch soll vermieden werden, dass dieselben Nachweise wiederholt in verschiedene Kundenportale hochgeladen oder per E-Mail versendet werden müssen.
Product Carbon Footprint
Produktbezogene Treibhausgasdaten können nach gemeinsamen Regeln berechnet und entlang der Lieferkette ausgetauscht werden. Ziel ist, stärker mit konkreten Primärdaten der beteiligten Unternehmen statt ausschließlich mit allgemeinen Durchschnittswerten zu arbeiten.
Digitaler Produktpass
Produkt-, Material- und Nachhaltigkeitsinformationen können digital einem Bauteil oder Produkt zugeordnet werden. Das ist beispielsweise für Transparenz, Kreislaufwirtschaft, Reparatur, Wiederverwendung und Recycling relevant.
Rückverfolgbarkeit und Qualität
Bauteile, Materialien oder Chargen können über mehrere Stufen der Lieferkette nachvollzogen werden. Bei Qualitätsproblemen lassen sich betroffene Teile dadurch gezielter identifizieren.
Lieferketten- und Kapazitätsmanagement
Bedarfe, Kapazitäten, Bestände oder Lieferengpässe können strukturiert zwischen beteiligten Unternehmen ausgetauscht werden. Damit sollen Lieferketten transparenter und reaktionsfähiger werden.
Welcher Use Case tatsächlich relevant ist, ergibt sich aus der Kundenanforderung und dem eigenen betrieblichen Nutzen.
Wie funktioniert die Teilnahme?
- Anwendungsfall und Ziel festlegen
Zu Beginn wird geklärt, welche Kundenanforderung oder welcher konkrete Nutzen erfüllt werden soll. Ein begrenzter Einstieg – etwa das Bereitstellen bestimmter Zertifikate – ist meist sinnvoller als ein technisch überladenes Transformationsprojekt. - Unternehmen registrieren und verifizieren
Für die Teilnahme wird das Unternehmen registriert und geprüft. Nach erfolgreicher Verifizierung erhält es eine Business Partner Number (BPN). Sie dient als eindeutige digitale Identität innerhalb des Catena-X-Ökosystems. - Anwendung und technische Anbindung auswählen
Für den Datenaustausch wird eine geeignete Anwendung mit Zugang zum Datenraum benötigt. Die technische Verbindung übernimmt ein sogenannter Dataspace Connector. KMU müssen diesen nicht zwingend selbst entwickeln oder betreiben; entsprechende Managed Services können Bestandteil einer Anwendung sein. - Daten vorbereiten, testen und austauschen
Die erforderlichen Daten werden identifiziert, geprüft und in der geforderten Struktur bereitgestellt. Danach folgt üblicherweise ein Test mit dem beteiligten Geschäftspartner, bevor der produktive Datenaustausch beginnt.
Weitere Informationen zum formalen Einstieg bietet die offizielle Onboarding-Übersicht von Catena-X.
Veranstaltungshinweis
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Wie lassen sich Unternehmensdaten sicher austauschen und für effizientere Prozesse nutzbar machen? Welche Rolle spielen industrielle Datenräume dabei – und wie gelingt der Einstieg? Die gemeinsame Veranstaltungsreihe gibt Orientierung zu den Potenzialen von Catena-X / Factory-X. [...]
25.09.2026, 12:00 bis 13:00 Uhr – online
02.10.2026, 12:00 bis 13:00 Uhr – online
28.10.2026, 12:00 bis 16:00 Uhr – Präsenz bei der LEG Thüringen in Erfurt.
Veranstalter: RITTWEGER + TEAM gemeinsam mit dem Thüringer Zentrum für Maschinenbau (ThZM), der LEG Thüringen / Innovativ Thüringen, automotive thüringen und dem Mittelstand-Digital Zentrum Ilmenau.
Wichtige Begriffe
- Use Case: der konkrete Anwendungsfall, für den Daten ausgetauscht werden.
- BPN: die Business Partner Number zur eindeutigen Identifikation eines Unternehmens, Standorts oder Geschäftsbereichs.
- Datenmodell: die vereinbarte Struktur und Bedeutung der auszutauschenden Informationen.
- Dataspace Connector: die technische Komponente, über die Daten sicher und regelbasiert ausgetauscht werden.
- Datenhoheit: die Kontrolle darüber, welche Daten mit wem, zu welchem Zweck und unter welchen Bedingungen geteilt werden.
Merksatz: Die technische Lösung folgt dem konkreten Anwendungsfall – nicht umgekehrt.
Welche Bereiche sollten im Unternehmen beteiligt sein?
Die beteiligten Funktionen hängen vom jeweiligen Use Case ab. Bei einem einfachen Zertifikatsmanagement kann ein kleines Team aus Einkauf, Qualitätsmanagement und IT ausreichen. Beim Austausch von Produkt-, Material- oder CO₂-Daten können zusätzlich Nachhaltigkeitsmanagement, Produktion, Entwicklung, Vertrieb und Controlling erforderlich sein.
Typischerweise müssen mindestens folgende Aufgaben abgedeckt werden:
- fachliche Verantwortung für den Use Case,
- Bereitstellung und Qualitätssicherung der Daten,
- technische Anbindung und Benutzerverwaltung,
- Prüfung von Verträgen und Datennutzungsbedingungen sowie
- Abstimmung mit dem anfordernden Kunden oder Lieferanten.
In kleinen Unternehmen können mehrere Rollen von derselben Person übernommen werden. Entscheidend ist, dass Zuständigkeiten, Freigaben und Aktualisierungsprozesse klar geregelt sind.
Können Kunden auf alle Unternehmensdaten zugreifen?
Nein. Datenhoheit ist ein zentrales Prinzip von Catena-X. Ein Unternehmen entscheidet selbst, welche Daten es anbietet, wer darauf zugreifen darf und für welchen Zweck sie genutzt werden können.
Trotzdem sollte jede Datenfreigabe rechtlich und organisatorisch geprüft werden. Relevant sind insbesondere:
- Geschäftsgeheimnisse und vertrauliche Produktinformationen,
- vertragliche Pflichten gegenüber Kunden und Lieferanten,
- personenbezogene Daten,
- Datennutzungsbedingungen und zulässige Verwendungszwecke sowie
- interne Freigaberechte und Verantwortlichkeiten.
Mitgliedschaft und Datenraumteilnahme sind nicht dasselbe
Die Mitgliedschaft im Catena-X Automotive Network e. V. und die operative Teilnahme am Catena-X-Datenraum sind zwei unterschiedliche Dinge. Vereinsmitglieder können beispielsweise in Expertengruppen mitwirken und Standards weiterentwickeln – daher ist RITTWEGER + TEAM Mitglied im Catena-X Automotive Network e.V. Für den konkreten Datenaustausch mit Kunden oder Lieferanten ist zusätzlich das operative Onboarding in den Datenraum erforderlich.
Welcher Aufwand entsteht für KMU?
Ein sinnvoller Catena-X-Einstieg beginnt mit einer klaren Bewertung von Anforderungen, Datenlage und Kosten. RITTWEGER + TEAM unterstützt KMU dabei, den erforderlichen Umfang festzulegen: Welche Daten verlangt der Geschäftspartner? Was ist bereits vorhanden? Welche Anwendung passt zur Aufgabe – und wie viel technische Integration ist tatsächlich erforderlich?
Wir verbinden die fachliche Datenvorbereitung mit der Auswahl geeigneter Anwendungen und der Koordination der technischen Umsetzung. Dabei berücksichtigen wir sowohl die Einführung als auch den späteren Betrieb.
| Kostenbaustein | Worauf es bei der Planung ankommt |
| Datenraumzugang | Registrierung, Identitätsdienste sowie Lizenz- und Nutzungsgebühren; abhängig vom Anbieter und Tarif |
| Connector und Anwendung | Passende Dienste für den vereinbarten Anwendungsfall; Prüfung, welche Leistungen bereits im Angebot enthalten sind |
| Einrichtung und Integration | Konfiguration, Benutzerrechte, Datenübernahme und gegebenenfalls Schnittstellen zu bestehenden Systemen |
| Datenvorbereitung | Vollständigkeit, Aktualität und eindeutige Zuordnung der Daten sowie fachliche Prüfung und Freigabe |
| Laufender Betrieb | Datenpflege, Aktualisierungen, Betreuung und klare Verantwortlichkeiten im Unternehmen |
Zur Preisorientierung: Cofinity-X nennt für Unternehmensgruppen mit weniger als 100 Millionen Euro Jahresumsatz und weniger als 20 Austauschpartnern 1.500 Euro jährlich für Datenraumlizenz und Nutzung. Hinzu kommen je nach Lösung Leistungen für Connector, Anwendungen, Einrichtung und Datenvorbereitung. Mehrere Bausteine können in einem Angebot gebündelt sein. Stand: September 2026. Aktuelle Preisübersicht von Cofinity-X.
Für eine belastbare Kostenplanung prüfen wir deshalb den konkreten Leistungsumfang und berücksichtigen auch die interne Arbeitszeit. So werden Angebote vergleichbar und zusätzliche Aufwände frühzeitig sichtbar.
Wie wir die Datenvorbereitung strukturieren, zeigt das Beispiel Zertifikatsmanagement. Soll ein KMU einem Kunden ein Unternehmenszertifikat über Catena-X bereitstellen, unterstützen wir bei folgenden Aufgaben:
- Anforderung präzisieren: Benötigten Nachweis, betroffene Gesellschaft beziehungsweise Standort, Empfänger und Termin festlegen.
- Datenbestand prüfen: Gültige Dokumentversion und Angaben wie Zertifikatsnummer, Aussteller, Geltungsbereich und Gültigkeitszeitraum kontrollieren. Den erforderlichen Datenumfang mit der vorgesehenen Anwendung abgleichen.
- Datenlücken bearbeiten: Fehlende Angaben identifizieren, widersprüchliche Versionen bereinigen und eine verbindliche Datenquelle bestimmen.
- Verantwortlichkeiten festlegen: Zuständigkeiten für Pflege, Prüfung, Freigabe und Aktualisierung vereinbaren.
- Austausch vorbereiten und testen: Die technische Einrichtung mit dem ausgewählten Anbieter koordinieren und gemeinsam mit dem Geschäftspartner prüfen, ob die Informationen korrekt übertragen und zugeordnet werden.
Bei wenigen, selten geänderten Datensätzen kann eine Anwendung mit manueller Pflege ausreichen. Bei größeren Datenmengen oder häufigen Aktualisierungen prüfen wir, ob eine automatisierte Anbindung wirtschaftlich sinnvoll ist.
Ziel unserer Begleitung ist eine konkrete Onboarding- und Umsetzungsroadmap: mit abgegrenztem Datenumfang, geeigneter technischer Lösung, nachvollziehbaren Kosten und klar verteilten Aufgaben. Damit erhalten Geschäftsführung, Fachbereiche und IT eine gemeinsame Grundlage für die Entscheidung und Umsetzung.
Was sollten KMU jetzt tun?
Wer eine Catena-X-Anforderung erhält, sollte nicht vorschnell einen Anbieter auswählen. Der sinnvollste erste Schritt ist eine strukturierte Klärung der Kundenanforderung. Danach können der passende Use Case, der Datenbedarf, die internen Zuständigkeiten und die technische Lösung festgelegt werden.
Ein pragmatischer Einstieg lautet: ein konkreter Anwendungsfall, ein klar definierter Datenumfang, ein beteiligter Geschäftspartner und ein realistischer Umsetzungsplan.


